Tax & Economics: Juli 2017 Archive

Nordkorea hat eine Rakete in die Gewässer vor Japan geschossen. Es war ein balistisches Interkontinentalgeschoß, das auch Alaska erreicht hätte. Am 4. Juli.

Ich habe nur eine Erklärung für solch eine Provakation: Kim Jong-un sitzt bei weitem nicht so fest im Sattel wie man annimmt.

Vielleicht will er Druck auf China ausüben, ihm mehr beizustehen, also Geld zu geben, also Kohle abzukaufen und anderes, womit Nordkorea gesegnet ist. China ist auf ihn angewiesen.

Denn China wird es nie und nimmer hinnehmen wollen, daß Nord- und Südkorea sich à la Deutschland wieder vereinen.

Das nutzt aber nichts. Es wird kommen. Es wird also eine ungemein streitbare Demokratie - die Südkoreaner gehen immer wieder auch wegen Kleinigkeiten zu Massen auf die Straße - vor der Haustür Chinas liegen. 

So wie schon Hongkong. Von wegen ein Land - zwei Systeme". Es wird auf dem Gebiet der heutigen Volksrepublik China bald mehr Länder geben mit einem System, nämlich demokratischen. Die 4000-jährige Geschichte Chinas sich abwechselnder Dynastien wird ein Ende finden, die Alphatiere werden ihre Macht abgeben und aufhören müssen, ihre Landsleute nach Gutdünken zu drangsalieren, ins Gefängnis zu stecken oder zu köpfen.

Die Chinesen können Demokratie, siehe Hongkong, siehe Taiwan. Es ist Unsinn zu meinen, ein Riesenland könne nicht freiheitlich, rechtsstaatlich regiert und verwaltet werden bis ins letzte Dorf.

Und die Chinesen wollen Demokratie. Die sich Anfang November versammelnden und sich gegenseitig ins Amt setzenden Despoten der KPCh machen sich etwas vor, wenn sie meinen, die Partei könne mit riesigen Geldmengen und Assets hantieren wie Kinder, und etwa Börse" spielen und Wohlstand für alle". Ohne ernsthafte Strukuren geht das unweigerlich schief, und die gibt es nicht, solange es keinen freien Informations-, Geld- und  Warenaustausch gibt, und Checks and Balances.

Die Spratly-Inseln wie eine Spielzeug-Piratenburg mit Kanonen, Bombern und, was es sonst so gibt, aufzurüsten, und dann zu meinen, der Welt würde das imponieren, ist ebenso eine Illusion. Der Zweck ist wahrscheinlich einer: Die Funktionäre wollen bei ihren aufmüpfigen Untertanen den Nationalismus zum Schwingen bringen und ihnen zeigen, daß sie wer sind. Indem sie die ganze Gegend - Philippinen, Vietnam, Taiwan, Japan - verrückt machen, versuchen sie, die Lufhoheit über die Aufmacher der Zeitungen und Webseiten zu bekommen. 

Eitle Übungen: In dem Moment, wo es in China wirtschaftlich kracht, wo die einfachen Bürger ihren auf Kosten ihrer Familienstrukturen und unter anderen großen Opfern erkämpten Wohlstand angegriffen sehen - und das könnte bald sein -, ist nichts mehr zu machen: Die Regierenden werden zum Teufel gejagt werden. Das zeigt die ewige Geschichte dieses großartigen Kulturraums, mit dessen Völkern wir Europäer zu aller Nutzen Weltgeschichte schreiben werden.


Literatur: zu „die Südkoreaner gehen ..." Bryan Harris South Koreans' love of protests has dark roots, FT July 5, 2017, p8

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