Tax & Economics: November 2009 Archive

Ich hatte gedacht, meine Bemerkungen zu Corporate Compliance seien reichlich offensiv formuliert. Bis heute. Die Neue Zürcher Zeitung stellt das weit in den Schatten (Nr. 276, p. 10 Reflexe):

"Die Wirtschaftsprüfer haben sich in dieser Krise im Unterschied etwa zu den Rating-Agenturen sehr gut aus der Schusslinie halten können. Warum eigentlich?

Provokativ könnte man argumentieren, dass die Prüfer das Geschäftsmodell des Wegbedingens von Verantwortlichkeiten erfolgreich betrieben haben."
Die Bank von England war ihrer Aufgabe als Lender of last resort nachgekommen und hatte vom 1. Oktober 2008 bis zum 16. Januar 2009 Liquiditätshilfen in Höhe von bis zu 61,6 Mrd. £ an die Halifax Bank of Scotland und die Royal Bank of Scotland gewährt. Diese hatten Sicherheit geleistet, eine Gebühr entrichtet und die Kredite bis Mitte Januar 2009 zurückgezahlt.

Soweit, so gut. Allein: Offengelegt hat das die Bank of England erst jetzt, nämlich im Rahmen einer Befragung vor dem Finanzausschuß des Unterhauses. Die Öffentlichkeit, die privaten Aktionäre und die Gläubiger der beiden Institute wurden also über deren wahren Zustand getäuscht, wenn auch nur kurze Zeit - nämlich nur bis etwa den 8. Oktober, als sowieso klar wurde, wie es um sie stand. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt dazu, die geheime Aktion erschrecke (Nr. 274/2009 vom 25. November 2009, p. 9):

Der formalen Richtigkeit des Jahresberichts der Bank of England kann nicht vorbehaltlos vertraut werden. Marktteilnehmer können über immense Liquiditätshilfen und den wahren Zustand von Banken getäuscht werden. Die Regierung kann entsprechende Risiken vor der Öffentlichkeit verbergen.
Und das, finde ich, sind doch recht bemerkenswerte Sätze.


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