Tax & Economics: Oktober 2008 Archive

Wie ich vor ein paar Tagen schrieb:

Die Aktien, die mit einem Aufschlag von 146,62 Prozent auf 520,00 Euro aus dem Handel gingen, waren zeitweise auf ein unfassbares Rekordhoch von 635,00 Euro gestiegen. "Da zersägt es jetzt einige, die bei VW auf fallende Kurse spekuliert hatten und nun, da das Gegenteil eingetreten ist, die Aktien zu jedem Preis zurückkaufen müssen", sagte ein Händler.
(NZZ online vom 27. Oktober 2008)

In der ersten Handelsstunde verdoppelte sich der Kurs des Autoherstellers nochmals fast und durchbrach die Schallmauer von 1000 Euro.
(NZZ online vom 28. Oktober 2008)
Allein schon der Graph des Baltic Exchange Dry Index ist heute interessant. Ölpreis und Konjunkturaussichten geben sich ein Stelldichein.

Jedoch: Nach dem Satz, daß eine Hausse dann ihren Gipfel erreicht hat, wenn Schlagzeilen wie "Jetzt werden wir alle reich!" auf den Boulevardblättern die Größe von 10 cm erreicht haben, kann es mit der Rezession nicht allzu nachhaltig und schlimm werden. Denn vergangenen Samstag erreichte die Meldung "Job-Angst" schon gute 7 cm. Vorausgesetzt, daß man die Regel umgekehrt auch für eine Baisse anwenden kann.

Ich halte zwei Szenarien für wahrscheinlich:

  • Sehr schlimm wird's nicht werden, und die Stimmung bald entschieden besser.
  • Die Malaise schlägt heftiger auf die Staatshaushalte durch als es derzeit allgemein angenommen wird.
  • Paul Krugman schreibt zu seinen Blog-Einträgen:

With any luck, you will find many of these pieces extremely annoying. My belief is that if an op-ed or column does not greatly upset a substantial number of people, the author has wasted the space. This is particularly true in economics, where many people have strong views and rather fewer have taken the trouble to think those views through - so that simply insisting on being clear-headed about an issue is usually enough to enrage many if not most of your readers.

  • Zwei Schüler im Religionsunterricht: "Was wäre, wenn Adam und Eva sich an das Verbot gehalten hätten?" "Dann wäre Eva heute noch 'ne alte Jungfer."

  • Neulich Montag morgens Telephonat mit der Vermittlung der Landeshauptstadt München. Ich sage, ich kennte das Aktenzeichen nicht, der Vorgang sei hier in Verstoß geraten [ein Ausdruck aus der guten alten bayerischen Verwaltung]. Darauf der Beamte:

    "Nur das Chaoskind
    weiß, was Ordnung ist."



Notwendig nimmt, wer ungedeckt leerverkauft, die Gefahr einer Pleite auf sich. Denn die Kosten für seine Verpflichtung, zu liefern, haben keine Grenze nach oben, sie können unendlich groß werden:

  • Es kann plötzlich zu einem Short-Squeeze kommen.
  • Der Wert der Währung, in der das gehandelte bewertet ist, kann mit einem Male fallen.
  • Das leerverkaufte Gut kann plötzlich knapp und damit unendlich teuer werden.

Weil das Vermögen des Handelnden nicht unendlich groß sein kann, besteht also immer die Möglichkeit, daß die Kosten der Erfüllung seiner Verpflichtungen sein Vermögen übersteigen. Stops sind kein Ausweg, weil sie nur dazu führen, daß die Positionen sofort aufgelöst werden, wenn sie berührt werden - aber zu den Preisen, die dann gelten.

Hier lernt man die Null zu schätzen: Tiefer kann der Preis nicht fallen. Jede Long-Position kann also höchstens verlorengehen, muß aber nicht zur Zahlunfähigkeit führen.

Weniger beliebt ist die Null in Zeiten von Deflation: Es gibt keine negativen Nominalzinsen. Sind diese einmal Null und fallen weitherum die Preise, kann keine Notenbank der Welt mehr etwas gegen hohe Realzinsen tun und dagegen, daß keiner mehr Geld ausgibt.

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