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"Kein noch so fantastischer Bullshit wird daran mehr etwas ändern."
Das ist interessant. Denn die Kombination von fanatisch und Bullshit läßt einen fragen, ob es das geben kann.

Wenn man Bullshit mit Harry Frankfurt (p. 50) äquivalent mit heißer Luft ansieht, wenn ein Fanatiker als in religiöser Verzückung, in ekstatischen Krampfzuständen befindlicher Mensch ist (Klemperer, p. 62), dann ist ein fanatischer Bullshitter - und den meint Steinbeis vermutlich - ein in religiöser Verzückung, in ekstatischen Krampfzuständen heiße Luft produzierender Mensch.

Meiner Ansicht nach ist das Attribut fanatisch nicht mit der Tatsache in Einklang zu bringen, daß dem Bullshitter "gleichgültig ist, ob seine Behauptungen die Realität korrekt beschreiben. Er wählt sie einfach so aus oder legt sie sich so zurecht, daß sie seiner Zielsetzung entsprechen" (Frankfurt, p. 63, Hervorhebung von agc).

Diese Gleichgültigkeit kommt bei Trump mit dem Wunsch daher, Aufmerksamkeit zu produzieren, und das ist sein Kerngeschäft als der Geschäftsmann, der zu sein er immer wieder betont - als Antithesis zum angeblichen washingtoner Polit-Sumpf.

Fanatismus ist hier meiner Ansicht nach unangebracht: Der Begriff als Attribut Trumps, aber auch der Sache nach auf Seiten der Kritiker des Präsidenten; ich bin schon immer gegen das krampfhafte Trump-Bashing gewesen, das in Deutschland heutzutage Teil der Political Correctness ist.

Bezug:  Harry G. Frankfurt, Bullshit, Suhrkamp, 2006; Viktor Klemperer, LTI, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1980; Steinbeis, Maximilian: Abgang eines Jahrhundert-Bullshitters, VerfBlog, 2020/11/13, https://verfassungsblog.de/abgang-eines-jahrhundert-bullshitters

Cf. zu Political Correctness: Robert Hughes Nachrichten aus dem Jammertal - Wie sich die Amerikaner in political correctness vertrickt haben, Kindler, München, 1994.
Jimmy Lai meint:

"Until Beijing accepts the west's [values] it will never be a reasonable actor."
Das könnte man vielleicht so übersetzen:

"Solange Peking die westlichen Werte nicht akzeptiert, wird es kein fairer Partner sein."
Genau das meine ich auch. Und ohne fairer Partner zu sein, wird die Volksrepublik langfristig keine Chance haben.

Das auf dem lateinischen Wort ratio beruhende reasonable öffnet auch den Bereich vernünftiger, berechenbarer, bedachter Partner. Paßt alles.

Bezug: Ravi Mattu, Lunch with the FT Jimmy LaiFT v. 14./15. November 2020, FT Weekend p.3

Inge Thulin sagte (nach Gillian Tett, FT vom 2. Juni 2017, Seite 9):

„Things like Nafta are working well, but it can be improved. . . . what we want is fair trade."

Tett weist auf die lokalisierende - im Gegensatz zu globalisierende - Tendenz darin hin.

In Deutschland wird fair trade als Vertriebsmittel eingesetzt. Kunden wird suggeriert, sie förderten den Wohlstand armer Produzenten in fernen Ländern. Der Einsatz hier dagegen soll dazu führen, daß die Gewinne im - bereits wohlhabenden - Land bleiben.

Der Begriff fair wird von beiden Seiten mißbraucht.

Wenn Handel etwas anderes ist als: Geld gegen Ware, dann ist es kein Handel mehr, sondern irgend etwas anderes.

Es fiel mir neulich auf, als mein hundertjähriger Freund G. von seinen Erlebnissen mit einigen Leuten erzählte. Er sagte:

"Die benehmen sich nicht richtig."

Er benutzte also nicht den Topos "gutes Benehmen". Ich hätte gesagt:

"Die haben kein gutes Benehmen."

Das jedoch stimmte nicht, denn es gibt kein gutes Benehmen. Es gibt nur richtiges Benehmen oder garkeins.
"China is very open," sagte Yu Yondding beim World Economic Forum am 29. Januar 2011 (siehe Lifestream "The Global Economic Outlook", 1:16:00).

Es handelt sich um eine Metapher, die dadurch, daß sie verunglückt,  einen interessanten Einblick in das Denken ihres Verwenders gewährt: Eine Tür kann offen sein oder geschlossen. "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" heißt es im Weihnachtslied (vgl. Psalm 24, 7). Wie kann eine Tür sehr offen sein? Ich meine: entweder ist sie offen oder geschlossen. Man kann auch von halb geöffnet oder weit offen sprechen, aber eben nicht von sehr offen.

Alle Beteuerungen ("People can say [oder see?] whatever they want.") nützen nichts, die Relativierung des Wortes open bleibt und ist damit ein Geständnis, daß China eben nicht offen ist.

Insofern ist das Wort offen in einer Gruppe mit geschlossen, konkret, schwanger, usw.
Search Engine Optimization, abgekürzt: SEO, die Suchmaschinenoptimierung: Ein Begriff, der alleinstehend sinnlos ist. Wie etwa

  • "mehrfach ausgezeichneter" [z.B. Film, Roman]: Von wem wurde er ausgezeichnet?
  • "Träger hoher und höchster Auszeichnungen": Wer hat ihm die gegeben?
  • "Bundesehrenpreis": Von wem wurde er gestiftet? Wer teilte ihn zu?

Der Begriff führt in die Irre. Es muß Suchmaschinenmanipulation heißen.
Mir fällt auf, daß die heute als verstärkend benutzten Worte toll und sehr ursprünglich eine Bedeutung hatten, die zum Pathologischen gehört:



  • sehr kommt von mittelhochdeutsch sêr, althochdeutsch sero und stand damals für wund, schmerzlich, peinvoll. So wird es heute noch im englischen sero gebraucht.
  • toll bedeutete des oder wie des Verstandes beraubt.
Im „Misthaufen Internet" (Joseph Weizenbaum) finden sich immer wieder Edelsteine. Zum Beispiel:


Was allerdings der Bachmann-Verlag zusammengetragen hat an

ist ein veritabler Preziosenmarkt, um im Bild zu bleiben. Und umwerfend ist, wie die Leute von leo das Deutsch-Chinesiche Wörterbuch geschrieben haben. Zum Beispiel das Wort


samt Aussprache und Pinselführung zum Schriftzeichen. Ethymologie der Englischen Sprache schenkt einem

  
Biologie: Es gibt


Und ich finde, was ich gedruckt auch in der Bibliothek stehen habe:

Geodäsie:

Mein lieber Bruder Ärgerlich
hat hat alles, was er will,
was er will, das hat er nicht,
was er hat, das will er nicht.
Mein lieber Bruder Ärgerlich
hat alles, was er will.
Kinderreim

Hier wird der Begriff wollen quasi aufgelöst.

Dabei kann man an Petrus, Röm. 7,19, denken:

„Das Böse, das ich nicht will, das tue ich."

Oder an Petrarca 1 Canz 17,8,10:

"E veggio 'l meglio ed al peggior m' appiglio."
(Und ich sehe das Bessere und ergreife das Schlechtere.)
 Aus:Thesaurus Proverbiorum Medii Aevi
von Samuel Singer, Werner Ziltener, Christian Hostettler, Kuratorium
Das RVG heißt ausgeschrieben:

Gesetz über die Vergütung der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.
Der letzte Satz des § 113 Absatz 1 TKG lautet:

Über die Auskunfterteilung hat der Verpflichtete seinen Kundinnen und Kunden sowie Dritten gegenüber Stillschweigen zu wahren.

Ich warte darauf, daß die weibliche Form auch beim § 211 StGB ähnlich konsequent aufgenommen wird, daß fürderhin im StGB nicht nur von "der Täter" die Rede ist, und daß es etwa beim § 297 Absatz 1 dieses Gesetzes in Zukunft heißt:

Wer ohne Wissen der Reederin oder des Reeders ...
und so weiter.

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"Diese Seuche der cc bei den E-Mails: Die schafft ja völlig neue Verantwortlichkeiten!"

Prof.  Dr. Klaus Volk, 10. November 2008

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Monica Hegglin über Sergio Marchionne in der Finanz und Wirtschaft Nr. 86/2008: Mit Härte habe er Fiat vor dem Konkurs gerettet. Seine Kritik zeige, daß im Verwaltungsrat der UBS "nicht nur Kopfnicker sitzen".  Einen "Leistungsausweis als Karrierekiller" schreibt sie ihm mit zu. Am besten gefällt mir aber, daß sie ihm attestiert:

sagenhafte Offenheit.

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