Grundner-Culeman: Mai 2008 Archive

In dem Wort Lohnnebenkosten nimmt das neben dem Arbeiter etwas weg. Die Beiträge zu den Versicherungen sind aber sein Beitrag an sie, sie gehören ihm, sie wandeln sich in seine Anwartschaft. Das gilt auch für den sogenannten Arbeitgeberanteil.

Merkwürdigerweise wird das, was man mit Lohnebenkosten meint, nur nach seiner Kosteneigenschaft benannt. Von Lohnnebenleistungen ist in diesem Zusammenhang nie die Rede. Der Arbeiter könnte auf dumme Gedanken kommen.

Lohnebenkosten? Die richtige Bezeichnung ist Lohn. Nicht die Lohnnebenkosten in der Bundesrepublik sind überdurchschnittlich hoch in Europa, sondern der Lohn.

Daß nicht so gesprochen wird, zeigt eine Übereinstimmung Aller, daß die Lohnnebenkosten eben kein Lohn sind und daher nach allgemeiner Auffassung dem Arbeiter nicht gehören. Das zeigt sich schon daran, daß heute über die Anwartschaften verfügt wird, wie es - nein, nicht etwa der Selbstverwaltung der Sozialversicherung, sondern der Regierung eben gerade einfällt. Es ist tatsächlich schon so, daß die Beiträge faktisch Steuern auf den Faktor Arbeit geworden sind.

Lohnnebenkosten? Die richtige Bezeichnung ist: Der große allgemeine Bakschisch aller an alle.
Monopoly? Halma? Mensch-Ärgere-Dich-Nicht?

Ein schönes Spiel ist:

  • Wer findet zuerst anhand der Webseite www.muenchen.de  die Postleitzahl des Rathauses!

Ich sage: Keine Chance!
... obwohl im Tragen des Ordenshabits ebenfalls eine religiöse äußere Bekundung im Sinne des § 38 Abs. 2 Satz 1 SchulG liegt.
aus: VGH Baden-Württemberg Urteil vom 14.3.2008, 4 S 516/07

Recht so. Das haben jetzt die davon, die gegen Kopftücher, Kippot und Kaftane in unseren Bildungsanstalten sind, anstatt die Chance zu sehen, unsere Kinder leben zu lehren mit jemandem, der anders denkt, fühlt, glaubt und sich kleidet.
Las ich gestern in München in einem großen Geschäft:

Ganz ich.
Mein Kustermann.
Kein schlechter Manipulationsversuch. Er läuft auf eine Identifizierung mit einem auf Gewinnerzielung gerichteten Unternehmen hinaus.


Forscher haben mit Hilfe einer viralen Genfähre ein Gen für ein grün fluoreszierendes Protein in eine befruchtete menschliche Eizelle eingebracht. Drei Tage später leuchteten, wie erhofft, alle Zellen des Embryos grün.
(nach: slz, NZZ Nr. 111 vom 15.5.2008, p. 7)

Eine Identifizierung, hier mit dem zum Objekt gewordenen menschlichen Individuum, ist an dieser Stelle weniger gefragt, hm?


Laut einem Sprecher sei der Embryo, der im Rahmen einer künstlichen Befruchtung als abnormal aussortiert und den Forschern übergeben worden sei, am fünften Tag nach der Manipulation zerstört worden. Der Embryo hätte sich nie zu einem normalen Baby entwickeln können.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Versuche technisch keine Meisterleistung seien. Denn man habe schon öfter im Rahmen von Gentherapien mit den nun verwendeten Genfähren Gene in erwachsene menschliche oder auch embryonale tierische Zellen eingeschleust. Zudem wurde betont, dass nun erstmals eine vom Menschen künstlich erzeugte genetische Veränderung prinzipiell vererbbar sei. Dies degradiere den Embryo zu einer nach Gutdünken formbaren Materie und öffne der Produktion von Designer-Babys Tür und Tor - sollte die Technik dereinst ausgereift sein.
(slz, a.a.O., leicht gekürzt)
Treu sein: steht mit Dativ.

Die kleine Vorsilbe Be stellt das Wort treu zum Akkusativ. Wo es nicht hingehört.

Betreuung wird heute in Zusammanhängen benutzt, die mit dem Wort treu nichts zu tun haben: Kundenbetreuer, Betreuungsrecht und eben Betreuungsgeld. Hier wird Treue mit Geld verbunden, und das geht nicht. Treue gibt es nicht für Geld.

Weitere Dinge, welche es nicht gibt:

  • zu weit gehender Optimismus
  • Ägide der SED
  • hohe Geschlossenheit
Berlin erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis

So lautet heute eine Schlagzeile bei vielen. Was die Formulierung angeht, habe ich eine bestimmte Presseagentur im Verdacht.

  • Das kommt davon, wenn man in eine Überschrift entgegen einer alten Regel ein Verb aufnimmt.
Es ist Unsinn, daß heute Rechtsanwälte ihre Produkte verkaufen sollen. Daß es einen Rechtsberatungsmarkt geben soll, auf dem sich die Rechtsanwälte durchsetzen sollen. Die Klienten bekommen dann einfach nicht mehr das, was sie von einem Neutralen bekommen könnten. Sie fühlen sich auch so, und damit ist die "Rechtsberatung für Jedermann" perdu.

Nur die ganz Reichen werden sich Berater leisten können, die es sich leisten können, ohne Blick auf den eigenen Geldbeutel zu beraten. Damit wird dem Auseinanderdriften von Arm und Reich Vorschub geleistet. Die Zeiten werden also wieder ganz normal.

Desde los tiempos de Adán, unos recogen el trigo y otros se comen el pan.
Ministerpräsident Wen Jiabao sagte am 18.3.: "[...] Wir werden den Grundsatz der Olympischen Spiele befolgen und die Spiele nicht politisieren." (german.china.org.cn)
  • Ein Versuch Jiabaos, der an den der Russen mit der friedlichen Lösung erinnert: Man kann nicht etwas nicht politisieren. Entweder ist etwas politisch oder nicht.
  • Das Hervorzaubern eines "Grundsatzes der Olympischen Spiele" aus dem Nichts: Die Spiele sind eminent politisch und auch so gemeint, haben sich nichts weniger als die harmonische Entwicklung der Menschheit, eine friedliche Gesellschaft und die Bewahrung der Würde des Menschen auf die Fahne geschrieben (siehe Ziffer 2 der Fundamental Principles of Olympism der Olympischen Charter vom 7. Juli 2007).
Es überrascht nicht, daß ein Wen Jiabao so mit der Sprache umgeht. Den Laien erstaunt aber, wie dieser Art Zeremonie bei Hofe in Peking genügt wird:

"Seitens der Deutschen Handelskammer betonte am Dienstag deren wirtschaftspolitischer Sprecher und Chef von Siemens in China, Richard Hausmann, dass die deutsche Wirtschaft zu ihrem Engagement in China stehe und sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking wende. Man anerkenne den Primat der Politik, sei aber besorgt über das sich auf beiden Seiten zunehmend manifestierende Missverständnis und die verbreitete Unkenntnis, welche derzeit in China chauvinistische Reflexe hochleben lasse. Andererseits sollte der Westen nicht vergessen, dass in China die Richtung der Öffnungspolitik und sogar der Demokratiereformen stimme, diskutabel sei nur deren Geschwindigkeit. Erfahrungen aus der Wirtschaft zeigten, dass Chinesen gute strategische Verhandler seien. Es brauche deshalb klare Verhandlungspositionen, zu denen man konsequent stehen sollte. Es gelte allerdings auch, dass man mit Chinesen weiterkomme, wenn man hart in der Sache, aber im Ton leiser diskutiere und verhandle. Dann finde sich fast immer eine Lösung, mit der beide Seiten leben könnten. Ein allzu lauter Diskurs führe hingegen nur zu unnötigen Verhärtungen, mahnte Hausmann." (aus: NZZ Nr. 94/2008 vom 23. April, p. 5; zur Quelle siehe unten)

Eric Gujer schreibt es in Nr. 101/2008, p. 5 der NZZ nüchterner, als ich es je könnte:

... bleibt China wie kein anderes Land das Feld, auf das die klassische westdeutsche Aussenpolitik vor 1989 Anwendung findet: Handelsinteressen geniessen absoluten Vorrang vor sonstigen Überlegungen.






n.b. zum Zitat: Ich bekam auf Anfrage folgende am 28. April 2008 um 10:26:03 AM Pekinger Zeit abgesandte Mail:

Sehr geehrter Herr Grundner-Culemann,

vielen Dank für Ihre Email und die damit verbundene Anfrage. Der Artikel in der NZZ basiert auf einem Pressegespräch, zu dem die Deutsche Handelskammer in China in der vergangenen Woche die hiesigen deutschsprachigen Pressevertreter eingeladen hat. Dem Gespräch liegt kein schriftliches Papier zu Grunde.

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Loch
Executive Chamber Manager
German Chamber of Commerce, Beijing
Die Anzahl der Morde hat in Bayern abgenommen. Aufgrund dreier Faktoren:

  1. Die Anzahl der in Bayern stationierten amerikanischen Soldaten ist zurückgegangen.
  2. Die Menschen sind gegenüber der männlichen Homosexualität toleranter geworden. Daher gibt es nicht mehr so viele männliche Heterosexuelle, die versuchen, durch Prostitution Geld zu verdienen (Strichjungen).
  3. Die ärztliche Kunst.

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