China: Mai 2008 Archive

Ministerpräsident Wen Jiabao sagte am 18.3.: "[...] Wir werden den Grundsatz der Olympischen Spiele befolgen und die Spiele nicht politisieren." (german.china.org.cn)
  • Ein Versuch Jiabaos, der an den der Russen mit der friedlichen Lösung erinnert: Man kann nicht etwas nicht politisieren. Entweder ist etwas politisch oder nicht.
  • Das Hervorzaubern eines "Grundsatzes der Olympischen Spiele" aus dem Nichts: Die Spiele sind eminent politisch und auch so gemeint, haben sich nichts weniger als die harmonische Entwicklung der Menschheit, eine friedliche Gesellschaft und die Bewahrung der Würde des Menschen auf die Fahne geschrieben (siehe Ziffer 2 der Fundamental Principles of Olympism der Olympischen Charter vom 7. Juli 2007).
Es überrascht nicht, daß ein Wen Jiabao so mit der Sprache umgeht. Den Laien erstaunt aber, wie dieser Art Zeremonie bei Hofe in Peking genügt wird:

"Seitens der Deutschen Handelskammer betonte am Dienstag deren wirtschaftspolitischer Sprecher und Chef von Siemens in China, Richard Hausmann, dass die deutsche Wirtschaft zu ihrem Engagement in China stehe und sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking wende. Man anerkenne den Primat der Politik, sei aber besorgt über das sich auf beiden Seiten zunehmend manifestierende Missverständnis und die verbreitete Unkenntnis, welche derzeit in China chauvinistische Reflexe hochleben lasse. Andererseits sollte der Westen nicht vergessen, dass in China die Richtung der Öffnungspolitik und sogar der Demokratiereformen stimme, diskutabel sei nur deren Geschwindigkeit. Erfahrungen aus der Wirtschaft zeigten, dass Chinesen gute strategische Verhandler seien. Es brauche deshalb klare Verhandlungspositionen, zu denen man konsequent stehen sollte. Es gelte allerdings auch, dass man mit Chinesen weiterkomme, wenn man hart in der Sache, aber im Ton leiser diskutiere und verhandle. Dann finde sich fast immer eine Lösung, mit der beide Seiten leben könnten. Ein allzu lauter Diskurs führe hingegen nur zu unnötigen Verhärtungen, mahnte Hausmann." (aus: NZZ Nr. 94/2008 vom 23. April, p. 5; zur Quelle siehe unten)

Eric Gujer schreibt es in Nr. 101/2008, p. 5 der NZZ nüchterner, als ich es je könnte:

... bleibt China wie kein anderes Land das Feld, auf das die klassische westdeutsche Aussenpolitik vor 1989 Anwendung findet: Handelsinteressen geniessen absoluten Vorrang vor sonstigen Überlegungen.






n.b. zum Zitat: Ich bekam auf Anfrage folgende am 28. April 2008 um 10:26:03 AM Pekinger Zeit abgesandte Mail:

Sehr geehrter Herr Grundner-Culemann,

vielen Dank für Ihre Email und die damit verbundene Anfrage. Der Artikel in der NZZ basiert auf einem Pressegespräch, zu dem die Deutsche Handelskammer in China in der vergangenen Woche die hiesigen deutschsprachigen Pressevertreter eingeladen hat. Dem Gespräch liegt kein schriftliches Papier zu Grunde.

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Loch
Executive Chamber Manager
German Chamber of Commerce, Beijing

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