«Too Big to fail» und die Verantwortung des Bankiers

Der Topos «Too big to fail» markiert eine schleichende Verlagerung des allein aus seiner Größe entstehenden Risikos eines Unternehmens in die Gesellschaft, auf sein Land [4].

Auf der Konferenz der Mont Pèlerin Society in New York über «The End of Globalizing Capitalism? Classical Liberal Responses to the Global Financial Crisis» schlug Nobelpreisträger Gary Becker eine progressive Ausgestaltung der Eigenkapitalerfordernisse vor: Je größer eine Bank sei, umso höher müsse ihr Eigenkapitalanteil sein. Das bremse das Wachstum zwar, lasse es aber weiter zu und sichere die Bank gegenüber Totalabstürzen ab [1].

Ich halte das für einen guten Ansatz. Die Frage ist, ob eine Regel von außen erforderlich ist. Ist es nicht ein Zeichen dafür, daß die Banken ihre Aufgaben nicht richtig wahrnehmen, wenn sie nicht schon von sich aus so handeln?

Die Bank und ihre Tätigkeiten lassen sich nur im Rahmen und als Teil von Wirtschaft und Gesellschaft verstehen [2]. Der Wirtschaft und damit den Menschen ihres Landes zu dienen, ist ein verbindlicher Maßstab für die Tätigkeit aller Bankiers [3]. Aus der Tatsache, daß es keine Freiheit ohne Verantwortung, also auch kein Risiko ohne Verantwortung gibt, folgt meiner Ansicht nach ohne weiteres, daß wachsende Banken ihren Eigenkapitalanteil - wie Becker sagt: progressiv - mitwachsen lassen müssen. Es ist selbstverständlich.

[1] Quelle: G.S. in NZZ Nr. 83/09 von heute, S. 13;
[2] Robert Holzach, Herausforderungen, S. 120;
[3] nach: Jürgen Ponto zum 100-Jährigen Bestehen der Dresdner Bank, vgl. a.a.O., S. 119;
[4] vgl. Thorsten Hens Bankensystem ohne Banken, in: Finanz und Wirtschaft Nr. 66/ 2009 vom 26. August 20009.


Nachtrag vom 19. Juni 2010:

Oswald Grübel sieht das so (nach NZZ vom 18. Juni 2010,  Seite 35):
Als grösste verbleibende Herausforderung bezeichnet Grübel das «Too big to fail»-Problem. Die Bilanzsummen der beiden Grossbanken seien im Verhältnis zum Schweizer Bruttoinlandprodukt zu gross. Eine mögliche Lösung besteht aus seiner Sicht darin, die beiden Grossbanken in der Schweiz auf ihr Schweizer Kerngeschäft zu begrenzen. Dies hätte eine deutliche Verkürzung ihrer Bilanzen zur Folge. Die nicht zum Schweizer Geschäft zählenden Aktivitäten, laut Grübel ungefähr drei Viertel des gesamten Geschäfts, liessen sich auf Tochtergesellschaften im Ausland übertragen. Diese müssten allerdings mit Eigenkapital ausgestattet werden und könnten sich nicht, wie dies heute bei Niederlassungen der Fall ist, allein auf Garantien der Muttergesellschaft stützen. Damit wäre eine solche Aufspaltung der Grossbanken mit einem grossen zusätzlichen Kapitalbedarf verbunden, der nicht ohne Auswirkungen auf die Profitabilität bliebe.

0 TrackBacks

Folgende Einträge anderer Blogs beziehen sich auf den Eintrag «Too Big to fail» und die Verantwortung des Bankiers

TrackBack-URL dieses Eintrags: http://www.ment.de/blog/mt-tb.cgi/108

Jetzt kommentieren

Über diese Seite

Diese Seite enthält einen einen einzelnen Eintrag von Grundner-Culeman vom 9.04.09 16:21.

"toll" und "sehr" ist der vorherige Eintrag in diesem Blog.

Die Erbschaftssteuer kann wie Geldwäscherei wirken ist der nächste Eintrag in diesem Blog.

Aktuelle Einträge finden Sie auf der Startseite, alle Einträge in den Archiven.