April 2009 Archive

Den Kindern rate ich lieber zu wissen, wer sie sind, als zu wissen, was sie haben.

Suzan Orman, in: FAZ 295/09, p. C2


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Wie nähert man sich am effektivsten seinem Ziel? Indem man darumherum kreist wie die Katze um den heißen Brei.

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Rotlichtmilieu. Er findet, daß sie viel zu nett, anständig, intelligent und hübsch ist, um ihr Geld auf diese Weise zu verdienen.

Er:

"Was machst du hier!"
Sie:

"Was machts du hier?"

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Lektüre: Joanne K. Rowling Harry Potter und der Stein der Weisen. Kein Wunder, daß der Roman so einen Erfolg hat.

Wie bei Rolf Kaukas Fix und Foxi werden die Eltern durch Onkel und Tante ersetzt (Onkel Fax, Tante Eusebia bzw. Vernon und Petunia Dursley), der Bruder durch den Vetter (Lupo bzw. Dudley Dursley) - da können sich die verdrängten Gefühle so richtig austoben.

In der Rolle dessen, den die Gebrüder Grimm im gleichnamigen Märchen den Eisenhans genannt haben, gibt es für Harry gleich mindestens drei:

  1. Hagrid
  2. Albus Dumbledore
  3. Severus Snape
Soetwas liest man natürlich gern in der Adoleszenz.


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Apropro: Eisenhans sagt zum achtjährigen Knaben, nachdem dieser sein Haar in den Goldbrunnen hatte fallen lassen und nun einen goldenen Schopf trug:

Geh hinaus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armut tut.

Und wie ging es Adam, nachdem er von den verbotenen Früchten gegessen hatte?

Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war.

Und das sind nicht die einzigen Parallelen in den zwei Geschichten.
Wer etwas von Lateinamerika versteht, bedauert nicht nur das, woher die Unsummen von schmutzigem Geld kommen, sondern auch die Auswirkungen einer Wirtschaft, deren Ziel es nicht ist, Gewinne zu erzielen - sondern eben nur: durch Umsatz Geld aus dunklen Quellen ins lichte Wirtschaftsleben zu bringen. Es fehlt hier jedes Trachten nach Effektivität, Wirtschaftlichkeit und Kontinuität.

So kann auch die Erbschaftssteuer wirken: Nämlich in den Fällen, in denen mit Rücksicht auf sie Vermögensgegenstände an Leute oder juristische Personen übertragen werden, die wirtschaftlich keinen oder noch keinen Nutzen von der Sache haben sollen.

So antwortete mir jemand, dem ich eine etwas vorausschauendere Verwaltung "seiner" Immobilie vorschlug, er selbst sei ja nur Nutznießer, die Sache sei schon lange an seine Kinder übertragen. Hier besteht wie bei einer Firma, die nur der Geldwäsche dient, bei niemandem ein Interesse an Nachhaltigkeit:

  • Die Kinder haben derzeit nichts von einer werterhaltenden oder -verbessernden Verwaltung. Sie werden auch nicht den Konflikt mit ihren Eltern suchen.
  • Der Nießbraucher wird seinen Gewinn - sprich: seine "Rente" - nicht durch Investitionen schmälern in eine Sache, die ihm nicht mehr gehört, die nicht mehr ihm eigen ist.
  • Und an einem Verkauf etwa an jemanden, der sich die Liegenschaft wirklich zu eigen machte, ist natürlich erst recht keiner interessiert, weder die Eltern noch die Kinder: Jeder müßte ja fürchten, hinterher schlechter dazustehen.
Steuern sind dazu da, dem Staat Einnahmen zu erzeugen. Die Erbschaftssteuer trägt hierzu bekanntlich nur wenig bei. Hier schadet sie sogar. Warum schafft man sie nicht endlich ab?
Der Topos «Too big to fail» markiert eine schleichende Verlagerung des allein aus seiner Größe entstehenden Risikos eines Unternehmens in die Gesellschaft, auf sein Land [4].

Auf der Konferenz der Mont Pèlerin Society in New York über «The End of Globalizing Capitalism? Classical Liberal Responses to the Global Financial Crisis» schlug Nobelpreisträger Gary Becker eine progressive Ausgestaltung der Eigenkapitalerfordernisse vor: Je größer eine Bank sei, umso höher müsse ihr Eigenkapitalanteil sein. Das bremse das Wachstum zwar, lasse es aber weiter zu und sichere die Bank gegenüber Totalabstürzen ab [1].

Ich halte das für einen guten Ansatz. Die Frage ist, ob eine Regel von außen erforderlich ist. Ist es nicht ein Zeichen dafür, daß die Banken ihre Aufgaben nicht richtig wahrnehmen, wenn sie nicht schon von sich aus so handeln?

Die Bank und ihre Tätigkeiten lassen sich nur im Rahmen und als Teil von Wirtschaft und Gesellschaft verstehen [2]. Der Wirtschaft und damit den Menschen ihres Landes zu dienen, ist ein verbindlicher Maßstab für die Tätigkeit aller Bankiers [3]. Aus der Tatsache, daß es keine Freiheit ohne Verantwortung, also auch kein Risiko ohne Verantwortung gibt, folgt meiner Ansicht nach ohne weiteres, daß wachsende Banken ihren Eigenkapitalanteil - wie Becker sagt: progressiv - mitwachsen lassen müssen. Es ist selbstverständlich.

[1] Quelle: G.S. in NZZ Nr. 83/09 von heute, S. 13;
[2] Robert Holzach, Herausforderungen, S. 120;
[3] nach: Jürgen Ponto zum 100-Jährigen Bestehen der Dresdner Bank, vgl. a.a.O., S. 119;
[4] vgl. Thorsten Hens Bankensystem ohne Banken, in: Finanz und Wirtschaft Nr. 66/ 2009 vom 26. August 20009.


Nachtrag vom 19. Juni 2010:

Oswald Grübel sieht das so (nach NZZ vom 18. Juni 2010,  Seite 35):
Als grösste verbleibende Herausforderung bezeichnet Grübel das «Too big to fail»-Problem. Die Bilanzsummen der beiden Grossbanken seien im Verhältnis zum Schweizer Bruttoinlandprodukt zu gross. Eine mögliche Lösung besteht aus seiner Sicht darin, die beiden Grossbanken in der Schweiz auf ihr Schweizer Kerngeschäft zu begrenzen. Dies hätte eine deutliche Verkürzung ihrer Bilanzen zur Folge. Die nicht zum Schweizer Geschäft zählenden Aktivitäten, laut Grübel ungefähr drei Viertel des gesamten Geschäfts, liessen sich auf Tochtergesellschaften im Ausland übertragen. Diese müssten allerdings mit Eigenkapital ausgestattet werden und könnten sich nicht, wie dies heute bei Niederlassungen der Fall ist, allein auf Garantien der Muttergesellschaft stützen. Damit wäre eine solche Aufspaltung der Grossbanken mit einem grossen zusätzlichen Kapitalbedarf verbunden, der nicht ohne Auswirkungen auf die Profitabilität bliebe.

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